Meike Messal
Meike Messal
Sie sind Lehrerin, Mutter von zwei Kindern und haben nun einen Kriminalroman geschrieben. Wie haben Sie es geschafft, all das unter einen Hut zu bekommen?
Das ist eine gute Frage! (lacht) Die Idee zu diesem Krimi spukt mir schon seit Jahren durch den Kopf. Bereits 2011 habe ich angefangen, die Geschichte aufzuschreiben, kam jedoch aus Zeitgründen immer wieder ins Stocken. Letztes Jahr habe ich dann aber den Roman zu Ende gebracht. Geschrieben habe schon ich immer gern. In der dritten Klasse habe ich mir eine Fortsetzung zu „Jim Knopf“ ausgedacht. Später wurden es Kurzgeschichten und Gedichte. Schreiben ist einfach etwas Wunderschönes.
 In Ihrem Roman geht es allerdings gleich ziemlich hart zur Sache. Eine Frau wird auf grausame Art und Weise ermordet.
Ja, das stimmt. Sie wird an einen Baum gefesselt und der Mörder fährt mehrmals mit dem Auto gegen sie. Was mich hier interessiert, ist jedoch: Wieso tut ein Mensch einem anderen so etwas Furchtbares an? Was ist passiert, dass ein Mensch zu solch einem Handeln fähig ist? Das ist für mich eine ganz wichtige Frage. Nicht, dass irgendetwas eine solche Tat rechtfertigt. Aber ein Mensch wird nicht mal eben zum grausamen Killer. Da geschieht mehr auf dem Weg dorthin und oft verschließt die Gesellschaft die Augen und kümmert sich nicht. Deshalb fließt in meinem Roman auch die Sicht des Täters ein. Wie gesagt, nicht als Rechtfertigung – denn die gibt es natürlich für keinen Mord – sondern damit der Leser den Weg nachvollziehen kann, den der Mörder an diesen Punkt gebracht hat.
In Ihrem Krimi ermittelt Marlene Borchert, eine Kriminalhauptkommissarin aus Minden gemeinsam mit Benno Erdmann aus Bielefeld. Hat Marlene viel von Ihnen?
Nein, überhaupt nicht. Es war mir wichtig, eine Person zu erfinden, die gerade nicht viel mit mir gemeinsam hat – außer den blonden Haaren, vielleicht (lacht). Marlene ist ein Mensch, dem es nicht leichtfällt, Gefühle zu zeigen. Sie ist komplett auf ihre Arbeit fokussiert, zwischenmenschliche Beziehungen bleiben da auf der Strecke. Bis Benno auftaucht, mit dem sie während des Studiums für kurze Zeit liiert war.
Also auch eine Liebesgeschichte?
Die Krimihandlung steht im Vordergrund, aber die Liebe spielt mit rein. Figuren in einem Buch müssen leben. Und das tun sie nur, wenn der Leser mit ihnen mitfühlen kann. Dazu bedarf es natürlich nicht unbedingt einer Liebesgeschichte, aber als Gegenpol zu den Grausamkeiten, mit denen man in einem Krimi konfrontiert ist, finde ich ein paar positive Gefühle angenehm.
Ihre Geschichte spielt in Minden, ihrer Heimatstadt, und fällt unter die Sparte des sognannten Regionalkrimis. Wie wichtig ist Minden in ihrem Roman?
Ich wurde in Minden geboren und liebe diese Stadt. Deshalb ist mir Minden wichtig. Wer allerdings einen Reiseführer sucht, der ist bei mir falsch. Denn neben dem Lokal-Kolorit lebt auch ein Regionalkrimi von seiner spannenden Handlung, und die steht bei mir im Vordergrund. Mindener werden jedoch so einiges Bekanntes in dem Buch wiederfinden. Und Menschen, die nicht aus Minden kommen, haben vielleicht Lust, diese Stadt einmal zu besuchen. Denn Minden hat viel zu bieten. Besonders gut gefällt mir, dass Minden eine alte Stadt ist – hier gibt es wunderschöne Fachwerkhäuser, die schon seit Jahrhunderten stehen. Naherholung ist an der Weser und im Glacis möglich. Und auch kulturell ist in Minden etwas los. Wir haben ein tolles Stadttheater. Der Jazzclub und die Jazz Summer Night sind Highlights - um hier nur einige wenige Punkte zu nennen.
Und Sie sind ja bereits weit gereist. In Ihrem Roman ist vorne zu lesen, dass Sie eine Zeitlang in Israel und Südafrika gelebt haben.
Richtig. Reisen hat bei mir schon immer eine große Rolle gespielt, dabei am liebsten nicht nur als Tourist, sondern abseits der bekannten Routen, um Menschen und Kulturen wirklich kennenzulernen. Während meiner Schulzeit war ich zum Austausch in Australien. Nach dem Abitur ging ich dann mit Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste nach Israel, wo ich 18 Monate in einem Altenheim mit Menschen arbeitete, die den Holocaust überlebten oder aus Deutschland geflohen sind. Ich bin jedoch auch mehrmals in der Westbank und dem Gazastreifen gewesen. Das war eine sehr intensive Zeit, die mich geprägt hat. Ich habe Hebräisch und Arabisch gelernt und einer meiner größten persönlichen Wünsche ist es, dass Juden und Palästinenser einmal in Frieden zusammenleben können. Leider scheint es bis dahin noch ein langer und steiniger Weg zu sein.
Und was haben Sie in Südafrika gemacht?
Dort habe ich an der Universität in Johannesburg Deutsch unterrichtet. Ein ganz anderes Land, aber im Kern kommt es immer wieder auf das eine hinaus: Jeder Mensch möchte einen Platz haben, auf dem er in Ruhe und Frieden leben kann, wo er sich entfalten kann und anerkannt wird, so wie er ist, wo er respektiert wird, egal, welcher Religion er angehört oder an was er glaubt oder welche Hautfarbe er hat.
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